Diener des Volkes

Die Diener des Volkes


sarkastische Betrachtung über die Mitarbeiter/innen von Behörden und Ämtern.

Schau rein,  amüsier dich oder ärgere dich.



Heute wollen wir über eine ganz besondere Gattung sprechen - über den Horrosapiens, der tief in seinem Inneren den unbändigen Drang verspürt, den in Not gekommenen Bürgern seines Landes zu helfen. Dessen Seele es massiv zu edlen Taten drängt, dessen Hände vor Hilfsbereitschaft beben, dessen Füße nicht eher still stehen, bis es auch dem "Letzten" seiner Mitmenschen gut geht und dessen Mund von tröstenden Worten überströmt.

 

Ja es gibt sie wirklich! Sie sitzen in Ämtern und Behörden. Schon beim Eintritt ins „Gebäude der Hilfsbereitschaft" strömt dir köst-licher Kaffeeduft entgegen und lädt dich zum gemütlichen Plausch ein. Da wird dir warm um's ach so schwere Herz. Und wenn du um die Ecke im dritten Stock biegst, empfangen dich eine Menge Brüder und Schwestern der einen Menschenfamilie, die hier in „Liebe" aufgenommen wird. Gemeinsam lobpreisen sie auf den vollgestopften Gängen die edelmütige Überheblichkeit, die freund-liche Brummigkeit, die respektvolle Zermalmung, die jedem, aber auch wirklich jedem Familienmitglied von den Göttern der Liebe - oder waren's die Götter der Hiebe? - die hinter den Türen Nummer drei, fünf und sieben thronen, entgegen gebracht wird.

 

In stundenlanger freudiger Erwartung harren die Menschen hier aus, um sich dann tief vor der gelassenen Schnelligkeit der Mitar-beiter und der aufmerksamen Lustlosigkeit für deine Rede zu verbeugen. Mächtig sei der Herr oder auch die Dame in diesem Haus der Menschenliebe.

Schließlich stehst du, ob dieser liebevollen Behandlung, ziemlich verwirrt und ratlos wieder auf dem Flur. Alles was du bei telefoni-scher Erstkontaktierung in Absprache vorlegen solltest, reicht nicht für deine Anerkennung der Hilfsbedürftigkeit. Nun aber hast du vom Machtgott persönliche handgeschriebene Anweisungen und das ist doch mal was!

 

Flugs besorgst du die geforderten Bescheinigungen, Gutachten, Kontoauszüge, wühlst in deinen Papieren, kopierst und sendest ab ins Reich der Götter. Spätestens nach drei Monaten, das ist gesetzlich so geregelt, muss dir der Bescheid ins Haus flattern und die Knete dein Konto wieder glatt machen. Geduldig harrst du der Dinge.                                                                                                                                                                                   

Im Vierten Monat, mittlerweile hast du fünfzehn Kilo abgenommen weil der Winter ins Land gezogen ist und du nachts auf dem Feld außer Kohl und Hasenknödel auch nichts Gescheites mehr findest, fragst du leise an. Da fällt dem Gott des Mitleids auf, dass ein ganz bestimmtes Papier doch noch zu besorgen wäre. Du beißt die Zähne zusammen, die mittlerweile schon vor Angst klappern und bringst dieses Papier eigenhändig vorbei.

 

Nach einem weiteren Monat des Wartens, fängst du an, deine Sachen, die das Pfandhaus nicht nehmen wollte, zu packen, weil dir die Kündigung ins Haus geflattert ist. Und während du noch auf der Suche nach der richtigen Brücke oder Parkbank bist, stellt der Gott der Unlust fest, dass du gar nicht in sein Ressort gehörst. Abgemagert, mit schiefen Absätzen und ungeputzten Zähnen fährst du nun schwarz (wer soll's bezahlen?) zur nächsten Stelle und das Rennen beginnt von Neuem. 

 

Natürlich bedauern wir die armen überarbeiteten Gottmenschen, die in ihrer Hilfsbereitschaft von uns so überfordert werden. Wir sind voller Schuldgefühle und schämen uns bis tief in die Erde hinein. Wie schrecklich, dass diese edle Spezies wegen uns täglich die schweren Aktenberge von einer Seite des Schreibtischs auf die andere schieben muss. Das sie vor lauter Arbeit den Telefonhörer nicht mehr abheben kann, während wir stundenlang versuchen Kontakt zu bekommen. Wir schämen uns auch für unseren Mundge-ruch und den alten Achselschweiß, doch Seife und Zahnpasta sind mittlerweile unerschwingliche Luxusartikel für uns geworden. Und weil wir nach nun etwa acht langen Monaten, in denen wir immer noch nicht in den Arbeitsmarkt integriert oder unsere Ge-sundheit noch nicht wieder hergestellt werden konnte, noch einsichtig geworden sind, hören wir mit unseren Forderungen auf und stören nicht mehr das Behördenmikado „Wer sich zuerst bewegt, der hat verloren." Jetzt versorgen wir uns wieder selber.

 

Die Auswahl der Angebote ist groß und richtet sich nach den mittlerweile neu aufgenommenen Beziehungen, weil es das alte Gefü-ge wegen der monatelangen Geldpumperei nicht mehr gibt. Zunächst wäre da der Ladendiebstahl oder die Zechprellerei. Wenn wir dann wieder was auf den Rippen haben und uns kräftiger fühlen, vor allem wegen der Wut in unserem Bauch, könnten wir es mal mit Einbrüchen versuchen. Autodiebstähle, Drogenhandel oder sonstige Betrügereien gingen eventuell auch. Irgendwann und irgend-wo in den Haftanstalten zahlt dann doch der Staat für uns.

 

Jetzt sitzt du in einem überbelegten „Luxusapartment" und lässt das vergangene Jahr Revue passieren. Hattest du nicht einmal eine hübsch geschnittene Wohnung mit erlesener Einrichtung? Einen flotten BMW vor der Tür, schnieke Klamotten und einen repräsen-tablen Freundeskreis? Und gab es da nicht irgendwann einmal ein ausgeklügeltes soziales System für eventuelle Firmenpleiten oder sonstige Arbeitsplatzverluste? Gab es nicht irgendwann einmal ein soziales System für die wegen Krankheit Arbeitsunfähigen? Wur-den denn nicht irgendwann einmal Behörden und Ämter mit Menschen besetzt, die im Dienste des Volkes stehen wollten? Du hattest dich sicher gefühlt, in diesem unserem Staat!
Jetzt hast du immerhin noch zwei Möglichkeit - Selbstmord mit oder ohne Amoklauf.


Da schüttelt der Diener des Volkes sein mitfühlendes Haupt und ich rufe ihm zu:

 „Oh Gott, pass auf, das du dich damit jetzt nicht noch übernimmst!


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