Elternliebe

Elternliebe

  Sarkastische Betrachtung über die "zeitlose" Elternschaft  und deren liebevolle Langzeitunterbringung mit Kostenübernahme.
                                               

                                               Schau rein, amüsier dich oder ärgere dich.


Tja, darüber mache ich mir jetzt doch mal ernsthaft Gedanken! Die Unfallstatistik im Befruchtungssektor scheint in unserer aufge-klärten und hochtechnisierten Zeit enorm hoch zu sein. Das mag daran liegen, dass unsere grauen Zellen zu weitaus Höherem gebo-ren wurden, als sich mit solch banalen Dingen wie Familienplanung zu belasten.

 

Die laufenden Handypreise müssen sitzen, die neusten Computerprogramme und -spiele verinnerlicht werden, der Chef muss end-lich merken wo der Hammer hängt und den Nachbar werde ich auch noch dazu bringen, sich einen Hut zu kaufen, um ihn vor mir ziehen zu können. Ein neues Auto könnte dabei hilfreich sein, der neueste Bildschirm, schnieke Klamotten und die obligatorisch, aus feinstem Leder gearbeitete Aktentasche. Und wenn ich dann noch zwei Handys am Ohr kleben habe und Markenschuhe an den Fü-ßen, wer will meine Wichtigkeit dann noch übersehen oder überhören?

 

Plötzlich, auweia, schlägt der sportgestärkte und solariumgebräunte Körper zu - schwanger! - Was nun?

 

Nach anfänglichem Schock über des Körpers Eigenmächtigkeit meldet sich das Gehirn wieder mit kühner Rechnung - ratatat, ratatat - Kindergeld uiiiii, Krippenplätze uiiiii, Ganztagsschulen uiiiii, Steuerermäßigung uijuijui! Das dürfte der Moment sein, indem Freu-de aufkommt. Andere Menschen erziehen mein Kind in anderen Häusern und ich bekomme auch noch Geld dafür. Abends kommt ein wohlerzogenes und vor allen Dingen müdes Kind nach Hause. Ein mütterliches und väterliches (wenn's die Beiden überhaupt noch als Gemeinschaft gibt) Bussi befördert es liebevoll ins Hightecbettchen mit elektonischer Einschlafhilfe, Abhörwanze und all dem anderen Elektrogebammel. Und an den Wochenenden wollen Omi und Opi auch was vom Nachwuchs haben.
                                                                               Das ist doch mal 'ne Familienplanung, was!?

 

                         Danke lieber Sozialstaat - danke, danke! Danke, dass du mir jegliche Eigenverantwortung nimmst.

 

Spätestens in der Pubertät deiner Kinder merkst du dann, dass du sie gar nicht kennst. Fassungslos betrachtest du, wenn du abends von dei ner Selbstverwirklichung nach hause kommst, den Klumpen der da auf deiner sauer verdienten Couch herumlümmelt und sich durch die Programme deines auf technisch-neusten-Standes-Fernseher zappt. Deine Ohren erreicht monotoner Sprechgesang und die Frage: „Was gibt's zum Essen, Mam?" und „Lass uns was von Macs holen" treibt dir die Augen aus den Höhlen.
Selbstverfreilich sind die Freunde schuld. Lehrer und Kindergärtnerinnen sind und waren unterqualifiziert und zu wenig in Anstel-lung, Schulbücher und -hefte zu teuer. Es gab zu wenig Kinderabschiebehaftanstalten und jetzt fehlen die Lehrstellen. Da geht dir dein emanzipierter Hut, unter den du alles so schön gebracht hattest, doch mal ganz schön hoch, was!?

 

Aber auch für die Nachsorge tritt Vater Staat im Verein mit den Krankenkassen ein. Therapeutische Einrichtungen, therapeutische Wohngemeinschaften, therapeutische Kliniken, therapeutische Tageskliniken und massenhaft stinknormale Therapieplätze werden eingerichtet und die Pharmaindustrie reibt sich die Hände, weil sie die Psychopillen in Massen legal vermarkten darf. An all dem verdient der Staat mit und hat dabei auch noch eine Menge neuer Arbeitsplätze geschaffen. Das ist sozial, jawohl!

 

Wenn das alles dennoch nicht fruchtet und dein fauler, aggressiver, kampfsaufender, drogenabhängiger, magersüchtiger, fettsüchti-ger, sexsüchtiger, spaßsüchtiger oder sonst wie süchtige Ableger dir immer noch fremd ist, dann sei trotzdem ohne Sorge. Auch da-für hat unser guter Papa Staat/Mama Staat Möglichkeiten geschaffen.

 

Zunächst erfolgt die Einweisung ins Erziehungsheim, danach werden die Jugendhaftanstalten besetzt und letztendlich die Gefäng-nisse. Euer Kind, mittlerweile zum unselbständig, selbstwertlosem Menschen herangewachsen, verbeugt sich nun in tiefer Dankbar-keit für eure lebenslange fürsorgliche Verwahrung und Verwaltung und die Langzeitkostenübernahme hierfür. - Danke liebe Eltern! Danke lieber Sozialstaat! 

Danke für all eure Opferbereitschaft, für eure Achtung, für die Wärme, die Aufmerksamkeit, die Hilfe, die Geduld! Danke für die in-takte Familie, in der jeder seinen richtigen Platz eingenommen hatte! Danke für euer Verständnis, für all eure Liebe und eure kost-bare Zeit, die ihr mir geopfert habt! Was für ein herrliches Leben hattet ihr für mich bereitet!

 

Jetzt lauft ihr betroffen hinter dem Sarg eures Kindes her und heult. „Was sollen denn nur die Nachbarn denken, die Freunde, die Arbeitskollegen ...! Wie konntest du uns das antun? Alles haben wir für dich getan ... alles !

 

                                                                             Wenn das mal keine Elternliebe war!


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